Mitteilungen aus der Hölle

 

Pressemitteilung Nr. 8 vom 6. Januar 2015

 

Mitteilungen aus der Hölle

 

Der Kunstraum „art mathieu“ präsentiert das Projekt „Mitteilungen aus
der Hölle“ mit dem syrischen Künstler Salam Ahmad. Nach
Unterdrückung und Folter ist er aus seinem Heimatland Syrien
geflüchtet und lebt zur Zeit in der Region Olten.

 

Der Kunstraum „art mathieu“ an der Ringstrasse 3 in Olten präsentiert noch
bis Ende Januar das Projekt „Mitteilungen aus der Hölle“, intensive Bilder
vom Künstler Salam Ahmad aus Syrien, welcher seit 10 Monaten als
Flüchtling in Wangen bei Olten lebt. Jedes einzelne Gemälde fesselt den
Betrachter und löst meistens ein trauriges Gefühl aus. Es ist beim ersten
Anblick klar, dass hier Bilder aus tiefster Seele entstanden sind. Diese
Maltechnik, welche er seit 16 Jahren anwendet und verbessert, ist
aussergewöhnlich. Der Künstler schafft es mit nur wenigen Farbtönen einen
Tiefeneindruck sowie Emotionen zu erzeugen. Die Motive in diesem Projekt
sind Personen und Gesichter. Beim langen Betrachten, entdeckt man an der
einen oder andere Stelle gequälte Menschen und schwebende Seelen. Die
Augen seiner Motive sind oft geschlossen oder leer. Wenn man von der
Folter erfährt, welche Ahmad in seinem Heimatland erleiden musste,
bekommt man eine Ahnung, woher dieser unfassbare Ausdruck seiner
Formen herkommt.
Die Ausstellung kann noch bis zum 31. Januar besucht werden.

 

Salam Ahmad lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Wangen bei
Olten. Er ist eine unscheinbare Person, hat meistens einen sehr ernsthaften
bis starren Blick. Im Gespräch spürt man aber sofort seine herzliche Seite
und es braucht nicht viel um ihm ein Lächeln zu entlocken. Er ist sehr
unauffällig. Viele Menschen sind ihm schon in einem Lebensmittelgeschäft
in Wangen oder in Olten begegnet und haben ihn nicht bemerkt.
Ahmad ist als Asylsuchender in der Schweiz. Sein Asylverfahren läuft noch.
Deshalb ist es noch unklar ob er in der Schweiz bleiben darf. Am meisten
vermisst er seine Mutter, seine Geschwister und Gefühle aus seiner
Kindheit. Malbedarf zu kaufen ist für ihn aus finanzieller Sicht schwierig.
Deshalb freut er sich immer riesig wenn ihm jemand eine Leinwand oder
einen Block Malpapier schenkt.

 

Ahmad ist in einem kleinen 500 Seelen Dorf nördlich von Aleppo geboren,
im kurdischen Teil von Syrien. Nach seinem Studienbeginn in Damaskus ist
er in die Stadt Aleppo umgezogen, wo er das Studium in Philosophie und
Psychologie abgeschlossen hat. Obwohl er wusste, dass er nach
abgeschlossenem Studium verpflichtet war den obligatorischen
zweijährigen Militärdienst zu absolvieren, arbeitete Ahmad als Lehrer der
Philosophie in einer Privatschule, da er auf das Geld angewiesen war um
seinen bedürftigen Vater zu unterstützen. Wegen der Militärverweigerung
wurde er nach einem Jahr in seiner Wohnung verhaftet und in Handschellen
abgeführt. Die nächsten 6 Tage verbrachte er im Gefängnis. Weil er sich mit
einem anderen Insassen in kurdischer Sprache unterhielt, wurden die
Wärter wütend. Es folgten Beleidigungen und Schläge. Die blanke Wut der
Wärter endeten darin, dass diese Ahmad mit einer Rasierklinge den Hals
aufschnitten. Ahmad erinnert sich nur noch an viel Blut und fiel ins Koma.
Als er wieder zu sich kam, fand er sich in einem Spitalbett wieder, die
Hände an der Bettstange gefesselt. Drei Monate blieb er im Spital.
Anschliessend verbrachte er weitere drei Monate im Gefängnis, weil er
unerlaubterweise die kurdische Sprache benutzt hatte. Dann musste er den
obligatorischen Militärdienst von 2 Jahren absolvieren. In dieser Zeit fing er
zu malen an. In den folgenden Jahren arbeitete er sehr intensiv und
verbesserte seine Techniken. Seine Mutter mochte es nicht, dass er malte.
Deshalb wartete er immer darauf, dass seine Mutter wegfuhr. Dann holte er
seine Malsachen raus und fing in der Küche an zu malen, bis sie nach
Hause kam.
Im Jahre 2010 war er als teilnehmender Künstler in einer Ausstellung im
Libanon eingeladen. Bei der syrischen Grenze nahe Damaskus wurde er von
den Grenzbeamten aufgehalten und verhaftet, weil Ahmad auf einer
Fahndungsliste des Geheimdienstes stand. Auf diese Liste ist er
gekommen, weil er zwei Bücher mit regierungskritischen Dichtungen
veröffentlicht hatte. Er verbrachte 7 Tage im Gefängnis. Ihm wurde gesagt,
dass er mit dem Schreiben aufhören müsse, ansonsten würden er und
seine Familie den Rest des Lebens im Gefängnis verbringen. Nach seiner
Freilassung ging er trotzdem nach Beirut um an der geplanten
Kunstausstellung teilzunehmen. Von 2009 bis 2012 arbeitete Ahmad als
Restaurator im Museum of Modern Art in Aleppo. Nebenbei hat er viel über
die Stadt Homs gemalt, welche als Hochburg der Revolution bekannt ist.
Dies war der Regierung ein Dorn im Auge und führte dazu, dass 2013 sein
Haus bombardiert wurde. Er und seine Familie konnten sich in Sicherheit
bringen und bei seiner Schwester Unterschlupf finden. Als er zu seinem
Haus zurückkehrte musste er feststellen, dass sein Haus völlig zerstört war
und an die 100 seiner Bilder verbrannt waren. In diesem Moment wurde
Ahmad klar, in was für einer Gefahr er und seine Familie sich befanden. Er
wusste in diesem Moment, dass sie das Land verlassen mussten. Nachdem
sie zehn Tage zu Fuss unterwegs waren, erreichten sie die Türkei. Dort
blieben sie während vier Monaten. Dann setzten sie ihre Flucht in die
Schweiz fort.
Trotz Ahmad's traurigen Lebensgeschichte sagt Oksana Mathieu, die
Betreiberin des Kunstraums: „Wir stellen Salam Ahmad nicht aus Mitleid
aus, sondern wegen seiner künstlerischen Qualität. Wir sehen in diesem
Menschen keinen Flüchtling sondern lediglich einen hervorragenden
Künstler.“ Auf die Frage, was ihm in der Schweiz gefällt, antwortet Ahmad
„Die Menschen sind sehr nett und meine Familie kann hier in Freiheit
leben.“ und ergänzt überzeugt „Die Schweiz hat uns das Leben gerettet.“

 

Bildmaterial

(auf das Bild klicken um es zu vergrössern)

ahmad

Der Künstler Salam Ahmad

 

ahmad art mathieu 1 

Ein Bild aus dem Projekt „Mitteilungen aus der Hölle“

 

ahmad art mathieu 2

Ein Bild aus dem Projekt „Mitteilungen aus der Hölle“

 

ahmad art mathieu 3

Ein Bild aus dem Projekt „Mitteilungen aus der Hölle“

 

ahmad art mathieu 4

Ein Bild aus dem Projekt „Mitteilungen aus der Hölle“

 

Daten

Ausstellung im Kunstraum an der Ringstrasse 3 vom 3. bis 31. Januar

 

Pressemitteilung als PDF

artm_pressemitteilung_8_20150106.pdf

 

 

 

 

 

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